Fragen und Antworten rund um die Notfallvorsorge

Im Alter stellen sich Fragen, mit denen man sich nicht unbedingt gerne beschäftigen möchte – trotzdem ist es sinnvoll, passende Antworten zu finden und Wünsche zu kommunizieren. Bild: Robert Kneschke – Fotolia.com

Ein Schreckensszenario für viele: Pflegebedürftigkeit. Mit der Situation konfrontiert zu werden, nicht mehr selbst für den Lebensunterhalt und einfache Dinge wie die Hygiene sorgen zu können, macht verständlicherweise Angst. Wie real dieses Szenario werden kann, zeigt der Blick auf die Statistik. Für 2015 hat das Statistische Bundesamt knapp 2,9 Millionen Bundesbürger ermittelt, die auf Pflege angewiesen waren. Und Experten gehen davon aus, dass deren Zahl in den kommenden Jahren noch einmal deutlich zunimmt. Es wird prognostiziert, dass bis 2030 die Zahl der Pflegebedürftigen sich in Richtung 3,4 Millionen bewegt. Damit wird Pflegebedürftigkeit zu einer Belastung – für Angehörige, welche die Pflege zu Hause stemmen. Und für die sozialen Sicherungssysteme, bei denen die Pflegeversicherung finanziert wird.

Pflegebedürftigkeit geht aber nicht nur mit einem Verlust an Selbständigkeit einher. Das Thema Pflege berührt auch die Selbstbestimmung. Beispiel Demenz: Gehen geistige Fähigkeiten in zunehmendem Ausmaß verloren, schränkt sich die Entscheidungsfähigkeit ein. Und mit dieser Einschränkung stellen sich Fragen. Wer wird in Zukunft über meine Belange entscheiden? Wer trifft Entscheidungen im Hinblick auf Maßnahmen, die das Leben verlängern? Betroffene sehen sich einem Dilemma ausgesetzt, welches sich nicht immer zufriedenstellend lösen lässt. I diesem Artikel sollen einige Fragen etwas genauer beantwortet werden.

 

Wie kann ich in Bezug auf die Pflegebedürftigkeit vorsorgen?

Pflege ist teuer und meist reicht der Zuschuss der gesetzlichen Pflegeversicherung nicht aus, um alle Kosten zu decken. Bild: Stockfotos-MG – Fotolia.com

Pflegebedürftigkeit ist in den letzten Jahren zu einem realen Szenario geworden. Aufgrund der prognostizierten Entwicklung beschäftigen sich inzwischen mehr Menschen mit diesem Thema. Und stoßen hier auf verschiedene Herausforderungen. Welche Aspekte werden in diesem Zusammenhang besonders wichtig? Zu den drängenden Fragen gehört die finanzielle Sicherheit. Pflege kostet Geld. Und je umfassender die Pflege im Alltag sein muss, umso teurer wird das Ganze. Eine Vollzeitbetreuung durch einen Pflegedienst macht sich mit mehreren tausend Euro im Monat bemerkbar.

  1. Finanzielle Absicherung - die Pflegeversicherung als wichtige Stütze

Pflege bleibt aus zwei Gründen ein sehr unangenehmes Thema. Auf der einen Seite treibt die Befürchtung um, auf die Hilfe Dritter angewiesen zu sein. Andererseits steht im Raum, wie Pflegeleistungen finanziert werden. Grundsätzlich existiert in Deutschland die gesetzliche Pflegepflichtversicherung. Beschäftigte – aber auch Privatversicherte – sind hierin im Regelfall Pflichtmitglied.

Aus den eingezahlten Beiträgen sollen ambulante und stationäre Pflege im Ernstfall finanziert werden. Aber: Die gesetzliche Pflegeversicherung hat Lücken. Unter anderem werden Leistungen wie die Verpflegung nicht finanziert. Damit bleibt ein Teil der Kostenverantwortung dem Pflegebedürftigen überlassen. Eine mögliche Alternative: Der Abschluss einer privaten Pflegeversicherung.

  1. Wer muss sich um mich kümmern?

Pflege wird heute zu einem sehr großen Anteil durch Angehörige realisiert. Dieser Umstand wird gern vorausgesetzt, wenn es um Pflegebedürftigkeit geht. Aber: In einer Gesellschaft, deren Familienmodell sehr stark dem Leistungsgedanken angepasst ist, wird persönliche Pflege nicht immer möglich sein. Beispiel: Kinder nehmen nach ihrem Studium einen Job im Ausland auf. Hier zu erwarten, dass der Nachwuchs den Beruf und die Karriere aufgibt, ist sehr viel verlangt. Generell gibt es in Deutschland keine gesetzliche Verpflichtung, für Angehörige persönlich die Pflege zu stemmen. Diese Tatsache wird oft mit dem Unterhaltsrecht verwechselt. Letzteres sieht vor, dass Angehörige in gerader Linie sich gegenseitig zum Unterhalt verpflichtet sind. Wie dieser Unterhalt gestaltet wird, darüber schweigt sich das Unterhaltsrecht aus. Wie die Pflege letztlich gestaltet wird, darauf kann Einfluss genommen werden – über eine Betreuungsverfügung. Diese regelt unter anderem:

  • wie die Pflege realisiert werden soll
  • wer nicht in die Pflege einzubeziehen ist
  • welche Maßnahmen nicht gewünscht werden.

Die Verfügung hat den Vorteil, dass die hier gemachten Angaben nur greifen, wenn es tatsächlich erforderlich ist.

Wichtig: Die Betreuungsverfügung ist so aufzubewahren, dass sie im Ernstfall auch gefunden werden kann. Einige mögliche Option besteht darin, sich im zentralen Vorsorgeregister eintragen zu lassen.

 

Wer entscheidet über lebensverlängernde Maßnahmen?

Im Fall einer schweren Krankheit oder eines Unfalls besteht die Gefahr, nicht mehr einwilligungsfähig zu sein. Das Risiko besteht zum Beispiel bei einem Schlaganfall. In dieser Situation wird es schwierig, eigene Wünsche – etwa in Bezug auf lebensverlängernde Maßnahmen – zu äußern. Generell sind in diesem Zusammenhang zwei Aspekte von besonderer Bedeutung:

  • Patientenverfügung
  • Vorsorgevollmacht.

Mithilfe der Patientenverfügung regeln Betroffene, in welchem Umfang sie Maßnahmen wünschen oder nicht. Sollte diese Verfügung nicht vorliegen, entscheiden Ärzte oder Betreuer entsprechend den Äußerungen des Patienten. Allerdings besteht hier das Risiko eines Dissens zwischen Arzt und Betreuer. In diesem Fall entscheidet die betreuungsgerichtliche Genehmigung.

Das Thema Vorsorgevollmacht berührt verschiedene Fragen. Während die Patientenverfügung den Ärzten sehr klare Rahmenbedingungen vorgibt, geht es in der Vorsorgevollmacht eher darum, eine Person zum Vertreter des eigenen Willens zu machen. Schließlich muss auch bei fehlender Einwilligungsfähigkeit noch der eine oder andere Aspekt geregelt werden. Hier sei nur an die Kontoführung oder Versicherungen zu denken. Oder das Kündigen von Verträgen. Wichtig: Für die Vorsorgevollmacht gibt es einige Stolperfallen im Hinblick auf die Formulierung. Daher ist dieser besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Beide Dokumente sind so zu hinterlegen, dass sie sicher gefunden werden.

 

Wie kann ich meine Hinterbliebenen vor Kosten schützen?

Das Thema Tod steht mit der Pflegebedürftigkeit in einer engen Verbindung. Gerade wenn absehbar ist, dass sich Betroffene von einer schweren Krankheit nicht mehr erholen, steht auch im Raum, wem die Kosten einer Bestattung aufgebürdet werden. Generell sieht der Gesetzgeber hier zuerst die/den Erben in der Pflicht. Aber: In gewissen Situationen kann sich diese Pflicht auch ändern.

  1. Bestattungskosten: Erbe, Kinder oder Staat

Die Kostentragungspflicht für eine Bestattung regelt § 1968 BGB. Und dieser weist die Kosten eindeutig den Erben zu. Per Vertrag kann auch etwas anderes bestimmt werden. Sofern der Nachlass ausgeschlagen wird, gehen die Kosten zuletzt – bei einer Fiskalerbschaft – auf Staat oder Land über. Aber: Behörden können Unterhaltspflichtige, wie Ehepartner, Kinder oder Enkel heranziehen. Nach den Angehörigen erster Ordnung wären die Hinterbliebenen 2. Ordnung dran. Sollte bei den Unterhaltspflichtigen aufgrund Hartz IV oder ALG I und fehlendem Vermögen eine soziale Härte durch die Kostentragung entstehen, springt am Ende doch der Staat ein.

  1. Die finanzielle Absicherung: Versicherung vs. Sparen

Die Übernahme der Bestattungskosten ist kein einfaches Thema. Damit die Kosten gedeckt werden, sollten im Nachlass mindestens 5.000 Euro bis 6.000 Euro zu finden sein. So viel kostet die Bestattung heute. Als Alternative bietet sich der Abschluss einer Versicherung oder das Sparen an. Reine Sterbegeldversicherung sind nach dem Prinzip der Lebensversicherung organisiert und zahlen im Leistungsfall (dem Sterbefall) die vereinbarte Summe an die Hinterbliebenen aus. Letztere müssen im Vertrag als Begünstigte benannte sein.

Der Abschluss einer solchen Versicherung sollte im Übrigen zeitig erfolgen, damit sich diese lohnt. Beim Sparen entfallen zwar Abschlussgebühren oder Ähnliches. Allerdings besteht die Gefahr, dass die Sparsumme gepfändet werden kann. Und es wird sich von den Sparzinsen abhängig gemacht, die 2018 nicht besonders hoch sind. Und es ergibt sich noch ein Problem: Während die Leistung einer Versicherung recht zügig zur Verfügung steht, muss für Sparsummen oder andere Vermögen erst das Erbe eröffnet werden.

 

Fazit: Beim Thema Vorsorge an viele Aspekte denken

Schwere Krankheiten oder Unfälle können zur Pflegebedürftigkeit führen. In diesem Zusammenhang gibt es einige Punkte zu beachten – wie die Tatsache, dass die gesetzliche Pflegeversicherung eine Lücke offen lässt. Aber nicht nur finanzielle Fragen spielen eine Rolle. Es besteht immer das Risiko, nicht mehr Einwilligungsfähig zu sein. Die fehlende Geschäftsfähigkeit macht es nötig, dass Dritte im Sinn der Betroffenen entscheiden. Eine Vorsorgevollmacht ist daher unabdingbar, um die Einsetzung eines gerichtlich bestellten Betreuers zu umgehen. Und damit Ärzte am Ende keine Maßnahmen durchführen, welche der Patient eigentlich nicht wünscht, muss eine Patientenverfügung verfasst werden. Beides existiert heute zwar bereits als Vordruck. Individuelle Aspekte müssen aber immer noch selbst nachgetragen und das Dokument unterzeichnet werden.

 

Hier geht es zu unserer neuen MZ Vorsorgemappe oder bestellen Sie gleich