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Vererben und Erben

Jedes Jahr wechselt ein Vermögen von mehreren Milliarden Euro in die nachfolgende Generation. Der Gesetzgeber hat ein ganzes Paket an Paragraphen erarbeitet, damit der Wechsel glatt geht.
Allein in diesem Jahrzehnt werden nach Angaben des Deutschen Institutes für Altersvorsorge 15 Millionen Haushalte insgesamt gut 1,4 Billionen Euro erben. Damit wechselt rund 20 Prozent des gesamten Vermögens in der Bundesrepublik den Besitzer. Wer den Nachlass erhält, ist meist durch die gesetzliche Erbfolge geregelt. Sie ist im Bürgerlichen Gesetzbuch nachzulesen. Wer das Erbe anders als vom Gesetzgeber vorgesehen aufteilen möchte, muss ein Testament aufsetzen. Dadurch ist es möglich, dass nicht nur die Angehörigen, sondern auch ein enger Freund der Familie oder eine Stiftung oder eine gemeinnützige Einrichtung Vermögen aus dem Nachlass erhalten.



Die Grenzen der individuellen Gestaltung

Nicht selten kommt es zum Streit über die Aufteilung des Vermögens. Egal was im Testament niedergeschrieben wurde, der Pflichtteilsanspruch der Angehörigen muss immer gewahrt bleiben.
Der gesetzliche Pflichtteil umfasst die Hälfte dessen, was den Hinterbliebenen nach den Vorhaben der gesetzlichen Erbfolge zusteht. Im Bürgerlichen Gesetzbuch ist exakt beschrieben, wer wie viel erbt. Die tatsächliche Aufteilung muss dann von den Hinterbliebenen vorgenommen werden. Damit sind natürlich Streitfälle nicht ausgeschlossen. Wer darf in das Haus ziehen? Wer darf das Auto fahren? Und viele weitere Fragen beschäftigt dann die Erbengemeinschaft. Doch bevor man sich streitet, sollte erst einmal geklärt werden, was zum Nachlass überhaupt gehört. So ist es an den Erben festzustellen, welchen Wert der Nachlass besitzt.



Der Staat bittet zur Kasse

An der Neuverteilung des Vermögens in der Bundesrepublik will der Staat seinen Teil abbekommen. Kamen durch die Erbschaftssteuer vor zehn Jahren 1,5 Milliarden Euro pro Jahr in den Staatshaushalt, konnte sich der Fiskus im abgelaufen Jahr über Einnahmen von fast vier Milliarden Euro freuen.
Wer allerdings genau wissen möchte, was er dem Staat im Falle der Erbschaft zu zahlen hat, muss sich immer auf den aktuellen Stand halten. Denn die Erbschaftssteuer gehört zu den großen Baustellen der Bundespolitik.
Wer die Erbschaftssteuer umgehen möchte, muss das Erbe durch Schenkung vorziehen. Aber auch hier gilt: von Fall zu Fall kann es sehr kompliziert werden. Denn auch bei Schenkungen ist der Staat wieder mit im Boot. Auch hier empfiehlt es sich, professionellen Rat einzuholen.



Dem Erbe auf der Spur

Ein „Ja“ kann teuer werden.

Nicht jedes Erbe entspricht den Erwartungen der Erben. So mancher Erbe wurde unliebsam überrascht, was der verstorbene Angehörige für Erblast hinterlassen hat. Somit ist ein „Ja“ zum Erbe immer wohlüberlegt zu treffen. Sechs Wochen haben die Erben Zeit, sich für oder gegen das Erbe zu entscheiden. Wer zum Beispiel bei Banken und Sparkassen heraus finden möchte, ob der Verstorbene dort über ein Guthaben verfügt, muss sich als Erbe ausweisen können. Dies geschieht, in dem das Testament zusammen mit dem Eröffnungsprotokoll des Nachlassgerichtes oder einen Erbschein vom Nachlassgericht vorweisen kann. Ist das Testament nicht vorhanden, können sich die gesetzlichen Erben nur mit einem Erbschein  ausweisen. Doch hier ist dann schon Vorsicht geboten. Denn in dem Moment, wo man den Erbschein beantragt, tritt man auch den Nachlass an. In Deutschland profitieren rund 575 000 Haushalte von Erbschaften und rund 400 000 Haushalte zusätzlich von Schenkungen. Diese Zahlen hat das Deutsche Institut für Wirtschaft in Berlin ermittelt. Doch was es zu vererben gibt, variiert zwischen Ost- und Westdeutschland immer noch sehr deutlich. In den alten Ländern können sich die Erben im Durchschnitt  über 70 000 Euro freuen, in den jungen Bundesländern sind es gerade einmal 15 000 Euro. Gut 20 Prozent der Haushalte erben nicht mehr als Erinnerungsstücke.
Manchmal gibt es noch ein bisschen Bargeld oder ein gebrauchtes Auto dazu. Rund sechs Prozent erben praktisch gar nichts oder unter Umständen sogar Schulden.



Was ist beim Erben zu beachten

Bevor sich ein Hinterbliebener zum Antritt eines Erbes entscheidet, sollte er eingehend prüfen, was zum Erbe zählt und welche Verpflichtungen daraus erwachsen. Versicherungen und Bankguthaben zu Gunsten Dritter gehören nicht zur Erbmasse. Zu den Verpflichtungen gehören ferner Hypotheken, Bank- und Steuerschulden. Außerdem können Schulden erst durch den Erbfall ausgelöst werden. Das sind die Kosten für die Beerdigung, die Verpflichtung zum „Dreißiger“ und der ,,Voraus“ an Ehepaare. Der „Dreißiger“ beschreibt die Verpflichtung zur Zahlung eines Unterhaltsgeldes für Lebensgefährten, Ehepartner oder Kinder von 30 Tagen nach dem Tod des Angehörigen. Beim „Voraus“ geht es um das Recht des überlebenden Ehepartners, die Hochzeitsgeschenke, die Möbel und die Haushaltsgegenstände der gemeinsamen Wohnung zu behalten. Auch Vermächtnisse und die darin enthaltenen Auflagen können das Erbe schmälern. So kann es sein, dass im Testament veranlasst wurde, 5 000 Euro für einen bestimmten Zweck zu spenden. Eine weitere Formulierung könnte sein „Meine Erben erhalten die Auflage, das Haus 20 Jahre lang nicht zu verkaufen. Oder: Ich vererbe meiner Enkelin zum Zwecke ihres Studiums einen ausreichenden Geldbetrag. Der Testamentsvollstrecker soll diesen Betrag festlegen.“



Pflichtteilsansprüche

Die gesetzlich geregelten Pflichtteilsansprüche können wesentlichen Einfluss bei der Aufteilung des Erbes nehmen. Dieser Anspruch verjährt erst nach drei Jahren. Um den Pflichtteil auszurechnen, zieht man das  gesamte Erbe heran, auch die Auflagen und Vermächtnisse. Um die komplexen Pflichtteilsansprüche korrekt wiederzugeben, ist es gut, einen auf Erbrecht spezialisierten Anwalt zu Rate zu ziehen.



Das Erbe ausschlagen

Will man das Erbe ausschlagen, erhalten es jene, die nach Gesetz die nächsten in der Rangfolge sind. Auch sie können dann das Erbe nicht annehmen. Wenn alle ausschlagen, erbt der Staat den Nachlass.
Der Staat haftet dann gegebenenfalls für die Schulden aber nur in der Höhe, wie Geld oder Vermögen im Nachlass vorhanden sind. Steuergelder werden nicht eingesetzt. Wer das Erbe ausschlägt, muss zum  Nachlassgericht oder zum Notar. Ein einfacher Brief oder ein Fax  reichen in aller Regel nicht aus.
Ist das Erbe einmal ausgeschlagen, ist es weg. Sollte sich allerdings im Nachhinein herausstellen, dass der Nachlass gar nicht wie angegeben überschuldet war, sondern ein verstecktes Vermögen beinhalten, kann die Entscheidung angefochten werden. Diesen Weg gibt es aber auch umgekehrt. Also angenommen, das Vermögen war ursprünglich höher angesetzt, als tatsächlich vorhanden. Auch in diesem Fall kann die Annahme des Erbes angefochten werden.

 

Hier finden Sie viele hilfreiche Antworten zu Fragen rund um das Thema Vererben und Erben

www.bmj.de/DE/Service/Broschueren/_node.html;jsessionid=4F81399B5571D26F296FAC898F36A370.1_cid289



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